Mit sozialem Unternehmertum finanzielle Nachhaltigkeit schaffen
Im Jahr 2025 leistete das Programm REDpreneur einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Lebensgrundlagen und zur wirtschaftlichen Resilienz konfliktbetroffener Menschen in der Ukraine. In Partnerschaft mit der Ukrainischen Rotkreuzgesellschaft (URCS) und mit Unterstützung von NACHBAR IN NOT, der Austrian Development Agency sowie dem Französischen, Kanadischen und Spanischen Roten Kreuz verband das Programm gezielte Kompetenzentwicklung mit finanzieller Förderung, um nachhaltige Einkommensmöglichkeiten zu schaffen.
Insgesamt 101 Personen schlossen die REDpreneur-Trainings zur Unternehmensgründung und -skalierung erfolgreich ab. Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden erhielt Startkapital zwischen 7.000 und 15.000 EUR, um ihre Geschäftsideen umzusetzen oder weiterzuentwickeln. Dadurch entstanden über 50 neue Arbeitsplätze, insbesondere für Menschen in vulnerablen Lebenslagen. Für 2026 ist die Ausbildung von 50 weiteren Frauen geplant; in Kooperation mit dem Ministerium für Veteranenangelegenheiten in der Ukraine ist die Hälfte der Plätze für Veteraninnen reserviert.
Ein Beispiel für die Wirkung des Programms ist die Erfolgsgeschichte "Switowotsch". Die Gründerin Switlana, Teilnehmerin und Gewinnerin der ersten REDpreneur-Kohorte, stellte ihr Familienunternehmen nach über 25 Jahren konventionellem Gemüseanbau bewusst auf ökologische Landwirtschaft um. Unter der Marke "Switowotsch" produziert die Familie heute Bio-Gemüse und Konserven nach dem Prinzip, "den Sommer im Glas zu bewahren". Mit Unterstützung von REDpreneur erhielt Switlana einen Zuschuss zur Erweiterung der Produktion, zum Bau eines Verarbeitungsraums und zur Anschaffung von Konservierungsanlagen. Das Unternehmen schafft lokale Arbeitsplätze, unterstützt Familien in der Gemeinde und stellt einen Teil der Ernte für Bedürftige zur Verfügung. Am Foto präsentiert Familie Switowotsch stolz ihr Biogemüse.

Finanzielle Nachhaltigkeit
Parallel dazu stärkte die URCS dank REDpreneur ihre finanzielle Nachhaltigkeit durch einkommensschaffende Initiativen auf Zweigstellenebene. Im Jahr 2025 starteten zehn lokale URCS-Zweigstellen soziale Unternehmen, deren Erlöse zur Unterstützung vulnerabler Gruppen eingesetzt werden, darunter Salzräume, Nähwerkstätten, Verleihdienste für Rehabilitationsgeräte, soziale Wäschereien, Bildungszentren und Coworking-Spaces.
Ein anschauliches Beispiel ist die Initiative "Helping Hand" der URCS-Zweigstelle Ternopil. Der Verleihservice für Rehabilitationsgeräte ermöglicht Menschen mit Behinderungen oder Erkrankungen einen kostengünstigen Zugang zu Hilfsmitteln; Veteran:innen können diese bis zu drei Monate kostenlos nutzen. Die Einnahmen fließen in weitere soziale Programme der Zweigstelle. Bereits in den ersten Monaten nutzten rund 60 Personen den Service und verbesserten ihre Mobilität und Lebensqualität. Durch REDpreneur erwarb das Team zudem zentrale Kompetenzen in Geschäftsplanung, Wirkungsanalyse und Finanzstrategie, um das Angebot nachhaltig weiterzuentwickeln.
Ein weiterer Meilenstein war die Eröffnung des ersten URCS-Business-Inkubators, des RED HUB. Als hybride physische und digitale Plattform bietet der RED HUB kontinuierliche Lern-, Austausch- und Unterstützungsformate für Unternehmer:innen und fördert Innovation sowie humanitäres Unternehmertum innerhalb der Nationalen Gesellschaft.
Lesyas Waffelworkshop
Lesya startete 2024 in Lviv eine kleine Produktion für Stroopwafeln, wo Mütter von Kindern mit Behinderung arbeiten, die damit ein Einkommen erhalten und soziale Inklusion erfahren. Sie schätzen die Flexibilität und den Erfahrungsaustausch untereinander. Der Zugang zu Fördermitteln ermöglichte es ihr, professionelle Ausrüstung anzuschaffen und den Schritt vom Experimentieren zu Hause zum Betrieb einer echten Produktionsstätte zu vollziehen. Für die Zukunft plant Lesya, den Vertrieb auf Geschäfte, Cafés und Tankstellen in der gesamten Ukraine auszuweiten und so mehr Chancen für diejenigen zu schaffen, die diese am dringendsten benötigen. Ihre Geschichte zeigt, wie Unternehmertum die Schaffung von Existenzgrundlagen mit sozialer Inklusion und dem Wiederaufbau der Gemeinschaft verbinden kann.
"REDpreneur hat mir nicht nur Startkapital gegegen, sondern Selbstvertrauen und Struktur. Durch das Programm haben wir die Produktion gestartet, eine Marke kreiert und die ersten Jobs geschaffen."

Plasmaproduktion zur langfristigen Sicherung der kostenlosen Blutversorgung im Libanon
In der fragilen wirtschaftlichen Lage des Libanon steht der Blutspendedienst des Libanesischen Roten Kreuzes (LRK) vor der Herausforderung, den lebensrettenden Betrieb unter dauerhaftem finanziellem Druck aufrechtzuerhalten. Um die Finanzierung dieses zentralen Dienstes sicherzustellen, ist die Erschließung neuer Einkommensquellen entscheidend. Vor diesem Hintergrund entschied sich das Team rund um Elie Dagher, stellvertretender Direktor des LRK, am REDpreneur Programm des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK) teilzunehmen.
Ziel war der Aufbau einer Plasma-Produktionslinie, um die Blutspendedienste des LRK nachhaltig abzusichern und gleichzeitig den Bedarf an lebensrettenden medizinischen Blut- und Plasma-Produkten zu decken. Aufbauend auf jahrzehntelanger Erfahrung in der Blutspende, Verarbeitung und Verteilung arbeitete das Team an einem operativen Umsetzungskonzept sowie an einem Finanzplan, um Plasma unter strengen Sicherheits- und Ethikstandards zu erzeugen und damit eine zusätzliche Einnahmequelle für das LRK zu erschließen.
Das ÖRK leistete dabei einen wesentlichen Beitrag durch die langjährige bilaterale Partnerschaft, die Expertise der Blutspendezentrale in Wien als fachlicher Sparringpartner für medizinischen und operativen Wissenstransfer sowie durch gezielte Unterstützung in der Unternehmensentwicklung im Rahmen von REDpreneur.
Nach Abschluss der REDpreneur Akademie begann das Team, Partnerschaften mit privaten Pharmaunternehmen aufzubauen. Ein gemeinsam mit dem ÖRK im Rahmen der Business Partnership Challenge 2024 der Austrian Development Agency eingereichter Projektvorschlag wurde ausgewählt und ermöglichte den Start einer Kooperation mit einem großen italienischen Pharmaunternehmen. Ziel ist der Aufbau von Plasma Produktionskapazitäten und Qualitätsmanagementsystemen, um durch den Verkauf von Plasma die Blutspendezentren zu finanzieren und damit die kostenfreie, sichere Versorgung der Bevölkerung mit lebensrettendem Blut langfristig sicherzustellen. Plasma ist dabei nicht nur ein wirtschaftlicher Faktor, sondern zugleich eine unverzichtbare Grundlage für die Herstellung lebensrettender medizinischer, plasmabasierter Produkte.

