IM EINSATZ GEGEN EINSAMKEIT
Wie Tageszentren und Heimhilfe in Albanien beim gesunden Altern unterstützen
Altersarmut ist für viele Menschen in Albanien eine bittere Realität. Bei einer Mindestpension von 70 Euro pro Monat müssen sich Betroffene oft zwischen Heizen und Essen entscheiden. Neben finanziellen Sorgen leiden ältere Menschen in Albanien besonders unter Einsamkeit und mangelnden Gesundheitsangeboten. Das SHAPE-Projekt des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK) und des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz nimmt sich dieser Problematik an.
SHAPE – das steht für Strengthening Health, Access, Participation and Social Equity in Western Balkan countries, also für Stärkung von Gesundheit, Zugang, Teilhabe und sozialer Gerechtigkeit in den Ländern des Westbalkans. Das Projekt startete im Oktober 2024 und soll einen Beitrag zur Minderung der negativen sozioökonomischen Folgen vielfältiger Krisen leisten.
Soziale Unterstützung in Tageszentren
Im Zuge des Projekts wurden vom Albanischen Roten Kreuz (ARC) vier Tageszentren im Land etabliert, die ältere Menschen von Montag bis Freitag besuchen können. Das Hauptziel der Tageszentren ist es, diesen Menschen Anschluss zu anderen zu ermöglichen. Gerade ältere Frauen leben oft allein und beziehen nur eine geringe Rente – das führt dazu, dass sie oft von sozialer Isolation und chronischen Gesundheitsproblemen betroffen sind. Dem wollen die Tageszentren entgegenwirken.
Ein möglicher Ansatzpunkt sind Workshops zu unterschiedlichsten Themen, angefangen bei gesundem Leben über Hitzeprävention im Sommer, bis hin zu Gedächtnistraining und Sturzprophylaxe. Diese Workshops zielen darauf ab, gesundes Altern zu fördern und soziale Isolation zu verringern.

Die Kundinnen und Kunden der Tageszentren können auch gesundheitsbezogene Beratungen in Anspruch nehmen, z.B. medizinische Untersuchungen (Blutdruck- oder Blutzuckermessungen), individuelle Beratung zu chronischen Krankheiten oder sicherere Einnahme von Medikamenten, oder sie können sich über Themen wie gesunde Ernährung informieren. Die Dienstleistungen der Tageszentren gehen sogar noch weiter – werden bei einer Kundin oder einem Kunden potenzielle Gesundheitsprobleme festgestellt, so werden sie an eine öffentliche Gesundheitseinrichtung überwiesen.
Hilfe zu Hause
Was passiert aber mit jenen, die alters- oder gesundheitsbedingt ihre Wohnungen und Häuser nicht mehr verlassen können? Auch hier bietet das ARC, mit Unterstützung des ÖRK, Hilfe an. Im September 2024 wurde in Albanien die Heimhilfe ins Leben gerufen, um, ähnlich wie bei den Tageszentren, armutsbetroffenen Menschen den Zugang zu gesundheitlicher Betreuung zu ermöglichen und Einsamkeit entgegenzuwirken. Zu Beginn der internationalen Kooperation wurden Mitglieder des ARC von ihren österreichischen Kolleginnen und Kollegen ausgebildet. Die daraus resultierende Heimhilfe beruht auf einem System von Freiwilligen, die ein- bis viermal pro Monat bedürftige Menschen in ihren eigenen vier Wänden besuchen.
Eine von diesen Menschen ist Xhemile: Sie ist 87 Jahre alt und wohnt in Berat, südlich der Hauptstadt Tirana. Sie lebt allein, ihre Söhne wohnen im Ausland. Seit 20 Jahren leidet Xhemile an Problemen mit dem Blutdruck. Sie bekommt regelmäßig Besuch vom ARC.


Während solcher Besuche werden Aspekte wie gesunde Ernährung, Bewegung, Schlafqualität und die psychische Verfassung der Klientinnen und Klienten überprüft. Außerdem spielt es eine Rolle, inwiefern sie tägliche Aktivitäten selbst bewältigen können und ob Hilfe von außen nötig bzw. vorhanden ist. Zudem werden Informationen über den Blutdruck, Puls, Stuhlgang und das Körpergewicht der Person vermerkt. Sollten weitere Schritte nötig sein, hilft das Team der Heimhilfe dabei, Kontakt zu einem Hausarzt oder einer Hausärztin aufzubauen.
Für die älteren Menschen in Albanien bieten Hausbesuche, psychosoziale Unterstützung und Aktivitäten in den Tageszentren dringend benötigte emotionale Unterstützung. Wer sich aufgrund geringer Rente oder gesundheitlichen Problemen schwertut, am alltäglichen Leben teilzunehmen, findet so Anschluss und medizinische Betreuung, die dabei helfen, in Würde zu altern.