HITZE UND KLIMA:
NACHHALTIGER WANDEL IN DER KATASTROPHENHILFE
Naturkatastrophen wie Dürren, Regenfälle, Wirbelstürme und Überschwemmungen treten immer häufiger auf und bedrohen Millionen von Menschen. Katastrophenvorsorge, Frühwarnung aber auch die Förderung von nachhaltiger Landwirtschaft sind zentrale Säulen der humanitären Arbeit der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung. Ein Blick nach Albanien und Ruanda.
Extreme Hitze in Albanien: Schutz durch Frühwarnung und antizipative Hilfe
Die zunehmende Hitze in Südosteuropa stellt auch Albanien vor wachsende gesundheitliche und soziale Risiken. Extreme Hitzewellen treten häufiger auf und treffen vor allem vulnerable Bevölkerungsgruppen in den großen Städten des Landes.
Als Reaktion auf die steigenden hitzebedingten Gesundheitsrisiken hat das Albanische Rote Kreuz (ARC) mit Unterstützung des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK), der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) und der Geosphere Austria ein Simplified Early Action Protocol (sEAP) entwickelt.
Ein Early Action Protocol legt fest, welche Hilfsmaßnahmen bereits vor dem Eintreten einer vorhersehbaren Gefahr umgesetzt werden. Grundlage sind wissenschaftliche Wetter- und Klimaprognosen. Wenn das Hydrometeorologische Institut eine Hitzewelle vorhersagt und der Trigger aktiviert wird, erhält das Albanische Rote Kreuz Gelder und hat fünf Tag Zeit die antizipativen Hilfsmaßnahmen umzusetzen.
Dazu zählen die Aussendung verständlicher Frühwarnmeldungen an alle Bevölkerungsgruppen, die Aktivierung einer kostenlosen Hotline für Information und direkte Hilfe, finanzielle Unterstützung für 300 vulnerable Haushalte zur Deckung zusätzlicher Ausgaben, die verstärkte Unterstützung von Menschen, die Heimhilfe in Anspruch nehmen, sowie temporäre Hitzevorsorgezentren mit Gesundheits-Checkups, Tipps zu Abkühlungsmöglichkeiten, Erster Hilfe und psychosozialer Betreuung.


Nach zwei Jahren Vorbereitung wurde das Programm im Sommer 2025 umgesetzt und soll rund 17.000 Menschen in besonders betroffenen Städten wie Tirana, Berat und Elbasan vor den Risiken extremer Hitze schützen.
Antizipative Hilfe zielt darauf ab, Risiken frühzeitig zu erkennen und negative Auswirkungen auf Menschen, Tiere, Lebensgrundlagen und Infrastruktur durch Hilfeleistungen vor Eintreten der Gefahr, zu reduzieren. Angesichts der zunehmenden Gefahr durch extreme Hitze geht das Albanische Rote Kreuz mit seinen Partnern damit entscheidende Schritte zum Schutz besonders gefährdeter Menschen in Albanien.
Nachhaltiger Wandel schlägt Wurzeln in Ruanda
Die Kirimbi-Frauenkooperative in Nyamasheke in Ruanda zeigt eindrucksvoll, wie frühe Investitionen in nachhaltige, klimafreundliche Landwirtschaft noch viele Jahre später Wirkung entfalten können. Vor rund fünf Jahren wurden die Frauen im Rahmen des Skybird-I-Projekts geschult und erlernten praxisnahe Methoden – effiziente Wassernutzung, sorgfältige Bodenpflege und sichere organische Düngung. Dieses Wissen ist geblieben, hat ihre tägliche landwirtschaftliche Arbeit geprägt und ihre Erträge im Laufe der Zeit schrittweise verdoppelt.
Im Jahr 2025 führten genau diese Kompetenzen zu einem bemerkenswerten Erfolg. Beim nationalen Wettbewerb für Frauenkooperativen im Bereich klimaintelligente Landwirtschaft belegten sie den zweiten Platz in der gesamten Westprovinz und qualifizierten sich damit für das nationale Finale. Im Rahmen des Wettbewerbs erarbeiteten sie zudem einen detaillierten Geschäftsplan, der als Grundlage für staatliche Fördermittel für die erfolgreichsten Kooperativen dient. Ihr Plan setzt zwei klare Schwerpunkte auf klimaresiliente Investitionen: Tröpfchenbewässerung zur Bewältigung von Wasserstress sowie ein Dreirad, um höherpreisige Märkte besser erreichen zu können.
Auch die aktuelle Arbeit der Frauenkooperative steht bereits für gelebte Nachhaltigkeit. Eine nahegelegene Schule leitet über eine einfache Pipeline Urin an die Kooperative weiter, der dort als Dünger genutzt wird – das senkt Kosten, verbessert die Bodenfruchtbarkeit und schließt Nährstoffkreisläufe. Gleichzeitig verkauft die Kooperative Gemüse an das Schulmahlzeitenprogramm zurück und schafft so eine zirkuläre, klimapositive Partnerschaft.
Neben den fachlichen Erfolgen berichten die Frauen von gestärktem Selbstvertrauen, verbessertem Wohlergehen ihrer Familien und dem Stolz, aktiv zum Klimaschutz beizutragen. Ihr Weg zeigt, dass Schulungen nachhaltige Kompetenzen und langfristige Resilienz schaffen – weit über die Laufzeit eines Projekts hinaus.