Burundi und Äthiopien Österreichische Know-How für den Rettungsdienst

Wie wir gemeinsam mit lokalen Rotkreuz-Schwesterngesellschaften ein funktionierendes Rettungswesen aufbauen


Burundi im Osten Afrikas ist ein Land mit ca. 14 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern. Diese müssen größtenteils ohne flächendeckende medizinische Notfallversorgung auskommen. So sollte zum Beispiel jedes Krankenhaus im Land über mindestens einen Rettungswagen verfügen, allerdings sind viele dieser Fahrzeuge – vor allem in ländlichen Gebieten – nicht einsatzbereit. Es gibt auch keine nationale Notrufnummer für Rettungsdienste und kein standardisiertes Ausbildungssystem für Rettungsdienstpersonal.

Die Verantwortung für die Notfallrettung in Burundi liegt beim Ministerium für öffentliche Gesundheit und den Kampf gegen AIDS. Die Burundi Red Cross Society (BRC) ist ein zentraler Partner des Ministeriums und betreibt derzeit fünf Rettungsfahrzeuge landesweit. Die Einsätze konzentrieren sich vor allem auf Verkehrsunfälle, geburtshilfliche Notfälle, Katastrophenhilfe und Langstreckentransporte in Nachbarländer.

Assessment des Rettungsdienstes

Der Verbesserungsbedarf der medizinischen Versorgung in Burundi ist also enorm. Deswegen wurde nach einer Anfrage des BRC ein Assessment des Rettungsdienstes durchgeführt, mit technischer Unterstützung des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK). Das Assessment kam zu folgendem Ergebnis:

  • Begrenzte fachliche Kapazitäten (z.B. keine Ausbildung für Leitstellenpersonal oder im Rettungswesen)
  • Schwache Leitstellen- und Kommunikationssysteme
  • Kleine, zentral verwaltete Fahrzeugflotte
  • Nicht nachhaltige Finanzierung (Patientinnen und Patienten tragen Transportkosten meist selbst)
  • Starke institutionelle Position (BRC hat gute Beziehungen zu nationalen und lokalen Behörden)

Das Rettungsdienstsystem Burundis liegt deutlich unter internationalen Good-Practice-Standards. Die kritischsten Defizite bestehen bei Ausbildung, Leitstellensystemen, Finanzierung und rechtlichen Rahmenbedingungen.

Wie geht es weiter?

Auf Basis der Ergebnisse wurde von BRC und ÖRK die Entwicklung eines mehrstufigen Programms zur Stärkung der Notfallrettung geplant. Es fanden bereits einige Trainings statt, um so einen Pool für Trainerinnern und Trainer für den Rettungsdienst zu gründen

Dr. Anicet Nzunogera, Leiter des Rettungsdienstes des BRC, resümiert über die bisherige Zusammenarbeit der beiden nationalen Gesellschaften: „Die Zusammenarbeit zwischen dem BRC und dem ÖRK war für unseren Rettungsdienst äußerst wertvoll und bereichernd. Die gemeinsamen Schulungen haben unsere fachlichen Kompetenzen gestärkt und unsere Fähigkeit verbessert, in Notfallsituationen effektiv zu reagieren.“

Ein Blick in den Norden

Ein ähnliches Bild wie in Burundi zeigt sich im nördlich gelegenen Äthiopien. Dort ist das ÖRK seit 2008 tätig und arbeitet eng mit der Ethiopian Red Cross Society (ERCS) zusammen – der größten humanitären Organisation des Landes. Ein Kernbereich dieser Zusammenarbeit ist der nationale Rettungsdienst.

Auch in Äthiopien gibt es keine landesweit standardisierte, akkreditierte Ausbildung für Rettungsdienstpersonal und keinen flächendeckenden Dauerbetrieb. Die Finanzierung ist nicht gesichert, die meisten Rettungsfahrzeuge sind reine Transportmittel und weniger als 20 % aller Notfälle erreichen eine Gesundheitseinrichtung mit adäquater präklinischer Versorgung.

Die Kooperation des ÖRK mit der ERCS verfolgt also ein klares Ziel: Nachhaltigkeit, Effizienz und Qualität des Rettungsdienstes in Äthiopien sollen verbessert werden. Für die nächsten Jahre planen wir:

  • den Rettungsdienst durch eine akkreditierte Ausbildung zu professionalisieren
  • in einer Pilotregionen einen verlässlichen 24/7-Rettungsdienst zu betreiben
  • und finanzielle und institutionelle Nachhaltigkeit sicherzustellen

So soll in Zukunft für die 135,5 Millionen Menschen im Land eine präklinische Notfallversorgung aufgebaut werden, mit dem Ziel, für alle, die Hilfe brauchen, da sein zu können.

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