Das vierte Jahr im Krieg

Zugang zu Gesundheitsversorgung und sozialer Unterstützung im vierten Kriegsjahr sichern


Auch im vierten Jahr des bewaffneten Konflikts bleibt die humanitäre Lage in der Ukraine äußerst angespannt. Zerstörte Infrastruktur, anhaltende Vertreibung und regelmäßige Angriffe auf die Energieversorgung erschweren für Millionen Menschen den Alltag. Besonders betroffen sind ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen, chronisch Kranke sowie Binnenvertriebene. Für viele von ihnen ist der Zugang zu medizinischer und sozialer Grundversorgung stark eingeschränkt.

Vor diesem Hintergrund setzte das Österreichische Rote Kreuz seine Unterstützung für die Ukraine auch 2025 fort. Gemeinsam mit dem Ukrainischen Roten Kreuz wurden Maßnahmen umgesetzt, die besonders gefährdeten Menschen den Zugang zu Gesundheitsleistungen und sozialer Unterstützung ermöglichen. Im Mittelpunkt standen dabei die Heimhilfe für ältere Menschen sowie der Aufbau eines neuen sozialen Krankentransports für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.

Die Auswirkungen des Krieges sind vor allem für ältere Menschen deutlich spürbar. Viele leben allein, nachdem Angehörige ihre Heimat verlassen mussten. Gleichzeitig erschweren gesundheitliche Probleme und eingeschränkte Mobilität die Bewältigung des Alltags. Um diese Menschen zu unterstützen, betreuen speziell ausgebildete Sozialhelfer:innen des Ukrainischen Roten Kreuzes bedürftige ältere Menschen in ihrem Zuhause. Die Hilfe umfasst Einkäufe, Kochen, Reinigungsarbeiten, Unterstützung bei der Körperhygiene sowie psychosoziale Begleitung in Form von Gesprächen und Unterstützung im Alltag. Im Jahr 2025 waren mit Unterstützung des Österreichischen Roten Kreuzes insgesamt 165 Sozialhelfer:innen für mehr als 1.200 Klient:innen im Einsatz.

Wie wichtig diese Unterstützung ist, zeigt die Geschichte der 88-jährigen Oleksandra Titarenko aus dem Oblast Tschernihiw. Nachdem ihre Tochter die Region verlassen hatte, lebte sie allein. Nach einem Oberschenkelhalsbruch konnte sie nicht mehr gehen und war auf Hilfe angewiesen. Durch die Aufnahme in das Heimhilfeprogramm erhielt sie nicht nur praktische Unterstützung im Alltag, sondern auch regelmäßige soziale Kontakte. Die Besuche ihrer Sozialhelferin gaben ihr neuen Lebensmut und halfen ihr, die schwierige Situation zu bewältigen.

Zugang zu medizinischer Versorgung

Ein weiterer Schwerpunkt war 2025 der Aufbau eines sozialen Krankentransports, der in dieser Form bislang nicht existierte. Das Österreichische Rote Kreuz unterstützte das Ukrainische Rote Kreuz dabei finanziell sowie durch fachliche Beratung und Schulungen. Ziel des Dienstes ist es, Menschen mit Behinderungen und Mobilitätseinschränkungen den Zugang zu medizinischen Einrichtungen zu ermöglichen. Gerade in Regionen, in denen Krankenhäuser und Gesundheitszentren zwar funktionsfähig sind, fehlten bisher oft geeignete Transportmöglichkeiten.

Die Bedeutung dieses Angebots zeigt das Beispiel des 74-jährigen Vitalii aus Tschernihiw. Nach einem Schlaganfall war es ihm nicht mehr möglich, Treppen zu steigen oder selbstständig zu medizinischen Terminen zu gelangen. Mithilfe des neuen Krankentransports konnte er erstmals eine Rehabilitationsbehandlung sowie einen Termin im regionalen Krankenhaus wahrnehmen. Für ihn und seine Familie bedeutete dies einen wichtigen Schritt zu einer besseren gesundheitlichen Versorgung.

Krankentransport in der Ukraine

Die Erfahrungen aus dem Jahr 2025 zeigen, dass humanitäre Hilfe weit über die Bereitstellung materieller Unterstützung hinausgeht. Sie schafft Zugang zu medizinischer Versorgung, stärkt soziale Teilhabe und trägt dazu bei, besonders verletzlichen Menschen ein würdevolles Leben zu ermöglichen. Angesichts der weiterhin schwierigen Lage bleibt die Unterstützung durch das Österreichische Rote Kreuz für das Ukrainische Rote Kreuz für viele Menschen in der Ukraine von zentraler Bedeutung.

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